Abfallsystem in der Küche: Mülltrennung ohne Chaos
Abfallsystem planen: Auszug unter der Spüle, 3–4 Fraktionen, Biomüll, Deckel und Geruch, Platz für Pfandflaschen – Ordnung in der Küche.
Planung & Ergonomie · Einbauküchen-Wissen · Stand 2026-11-05
Kurz gesagt: Ein gutes Abfallsystem in der Küche sitzt als Auszug unter oder direkt neben der Spüle, trennt drei bis vier Fraktionen – Restmüll, Bio, Verpackungen, Papier – und ist so bemessen, dass die großen Behälter die Fraktionen mit dem meisten Volumen aufnehmen. In einem 60-cm-Schrank bringt man etwa 40 bis 55 Liter unter, in 90 cm bis 60 Liter in vier Behältern. Biomüll braucht einen Deckel und kleinen Behälter, Pfandflaschen und Altglas einen eigenen Platz außerhalb des Systems. Wir in Münchendorf planen das Abfallsystem nach dem, was in Ihrem Haushalt tatsächlich anfällt, und bauen es nach Maß in den Schrank, der ohnehin unter der Spüle steht.
Die Küche in Schwechat ist groß, hell und drei Jahre alt – und an der Terrassentür stehen drei Säcke: einer für Plastik, einer für Papier, dazu eine Kiste mit Pfandflaschen, die seit dem Vorjahr dazugekommen ist. Unter der Spüle steckt ein einzelner Eimer mit 18 Litern, der jeden zweiten Tag voll ist. Die Familie hat vier Personen, kocht täglich und trennt gewissenhaft; die Küche hat das nur nie vorgesehen. Beim Vor-Ort-Termin fragte die Mutter als Erstes nicht nach Fronten oder Arbeitsplatte, sondern ob man die Säcke an der Tür loswerden kann. Man kann – wenn das Abfallsystem geplant wird wie ein Gerät und nicht als Eimer, der am Ende noch irgendwo hineinpasst. Auf dieser Seite erklären wir, welche Fraktionen in Wien und Niederösterreich anfallen und wie viel Volumen sie brauchen, wo das Abfallsystem in der Küche hingehört, wie man Biomüll ohne Geruch hält, wo Pfandflaschen und Altglas bleiben, welche Technik den Auszug bequem macht und wie die Küche in Schwechat ihre Terrassentür zurückbekommen hat.
Was ein Abfallsystem leisten muss – und warum der eine Eimer nie reicht
Der Eimer unter der Spüle stammt aus einer Zeit, in der aller Abfall in eine Tonne ging. Heute wird in Österreich in mindestens vier Fraktionen getrennt, und seit 2025 sind die Regeln für Verpackungen bundesweit vereinheitlicht: Kunststoff- und Metallverpackungen kommen gemeinsam in die gelbe Tonne oder den gelben Sack. Dazu kommen Papier, Bio, Restmüll, Glas – und das Einwegpfand auf Flaschen und Dosen, das seit Jänner 2025 gilt und einen weiteren Stapel in der Küche erzeugt, der nicht Müll ist, sondern zurückgebracht wird.
Ein Abfallsystem muss diese Ströme am Entstehungsort trennen, also dort, wo gekocht und ausgepackt wird. Alles, was erst in einem Sack an der Tür landet, ist ein Umweg, und jeder Umweg endet in Säcken. Das System muss außerdem leicht zu öffnen sein, wenn die Hände nass oder voll sind, leicht zu entleeren und leicht zu reinigen – und es darf nicht riechen.
In Schwechat lagen alle vier Bedingungen offen zutage: ein Eimer, drei Säcke, eine Kiste, ein Geruch, wenn die Spülenschranktür aufging. Der erste Schritt der Planung war deshalb keine Zeichnung, sondern eine Woche lang zählen: Wie viele Liter welcher Fraktion fallen tatsächlich an? Die Antwort überraschte die Familie – und bestimmte die Größe des Systems.
Welche Fraktionen, wie viel Volumen: die Rechnung vor der Planung
Die Fraktion mit dem größten Volumen ist in den meisten Haushalten die Verpackung – Kunststoff und Metall –, weil sie leicht, aber sperrig ist. Papier und Karton kommen gleich danach, besonders mit Lieferungen. Biomüll ist kompakt, aber schwer und geruchsintensiv; Restmüll ist bei konsequenter Trennung erstaunlich wenig. Daraus folgt die Grundregel für die Behälter: groß für Verpackungen, mittel für Papier und Restmüll, klein und geschlossen für Bio.
Ein Abfallsystem im 60-cm-Schrank bringt je nach Bauart 40 bis 55 Liter unter – etwa zwei große Behälter mit 15 bis 20 Litern und zwei kleine mit 6 bis 10. Im 90-cm-Schrank sind bis zu 60 Liter in vier Behältern möglich, im 45-cm-Schrank nur rund 35 bis 40 Liter in zwei. Diese Zahlen muss man gegen den Haushalt rechnen: Für zwei Personen genügt der 60er, für eine vierköpfige Familie mit Lieferkartons braucht es den 90er oder eine Aufteilung auf zwei Schränke.
Wir fragen beim Vor-Ort-Termin nicht nach dem Wunschsystem, sondern nach dem Rhythmus: Wie oft wird die gelbe Tonne geleert, wie weit ist der Weg dorthin, wer trägt? Wer den Müllraum im Erdgeschoß hat, kommt mit kleineren Behältern aus als jemand mit einem Weg über den Hof. Daraus ergibt sich die Zahl der Liter, und erst daraus die Breite des Schranks.
- 45-cm-Schrank: 2 Behälter, rund 35–40 Liter – für ein bis zwei Personen
- 60-cm-Schrank: 3–4 Behälter, rund 40–55 Liter – der häufigste Fall
- 90-cm-Schrank: 4 Behälter, bis 60 Liter – für Familien mit viel Verpackung
- Groß für Verpackung, mittel für Papier und Rest, klein und geschlossen für Bio
Wo das Abfallsystem hingehört: unter der Spüle oder daneben
Der klassische Platz ist der Spülenschrank, und er ist aus gutem Grund klassisch: Dort kratzt man Teller ab, dort fällt beim Vorbereiten der Abfall an, dort läuft der Geschirrspüler. Der Schrank hat aber Konkurrenz in sich selbst – Siphon, Eckventile, Abflussschlauch des Geschirrspülers, manchmal ein Wasserfilter. Ein Abfallsystem unter der Spüle muss um diese Technik herum gebaut werden, und bei Standardsystemen bleibt dann oft nur Platz für zwei Behälter.
Nach Maß lösen wir das anders: Der Siphon wird als flaches Raumsparmodell nach hinten gesetzt, die Ventile nach oben an die Rückwand, und der Auszug läuft darunter durch. So passen auch im 60er-Spülenschrank drei bis vier Behälter. Ist die Spüle in einem 90er-Schrank, nutzen wir die volle Breite mit einem Auszug, bei dem die großen Behälter vorne und die kleinen hinten liegen.
Die Alternative ist der Schrank direkt neben der Spüle, der dann als reiner Abfallschrank mit Vollauszug ohne jede Technik gebaut wird: mehr Volumen, einfachere Reinigung, und der Spülenschrank bleibt für Putzmittel frei. Wir empfehlen diese Variante bei Familien und in Küchen, in denen ohnehin genug Unterschränke vorhanden sind. In kleinen Küchen bleibt der Spülenschrank die einzige vernünftige Stelle – und dort lohnt der Mehraufwand der Maßlösung besonders.
Biomüll ohne Geruch: Behälter, Deckel, Luft
Die Fraktion, die über das Wohlbefinden entscheidet, ist die kleinste. Biomüll riecht, sobald er feucht und warm liegt, und beides ist unter einer Spüle gegeben. Die Lösung ist nicht ein größerer Behälter, sondern ein kleinerer: 5 bis 8 Liter, die in zwei bis drei Tagen voll sind und dann hinausgetragen werden, bevor etwas gärt. Dazu ein fest schließender Deckel, der sich mit dem Auszug automatisch öffnet und beim Einschieben wieder schließt.
Das Material des Behälters ist wichtiger, als man denkt: glatte Kunststoffe oder Edelstahl, die sich im Geschirrspüler reinigen lassen, ohne Rillen am Boden. Ein Papierbeutel oder ein kompostierbarer Sack nimmt Feuchtigkeit auf und hält den Behälter sauber; Zeitungspapier am Boden tut es auch. Und der Schrank selbst sollte Luft bekommen – eine Lüftungsöffnung in der Rückwand oder im Sockel verhindert, dass sich Feuchte im Korpus hält.
Wer den Biomüll nicht im Spülenschrank haben will, bekommt eine Alternative in der Arbeitsplatte: ein kleiner Behälter, der in einem Ausschnitt in der Platte sitzt und mit einem bündigen Deckel abschließt – bei Dekton in der Werkstatt gefräst. Man wischt die Schalen beim Schneiden direkt hinein. Das ist die eleganteste Lösung für Haushalte, die viel frisch kochen, und die, bei der am wenigsten Geruch in den Schrank gelangt.
Pfandflaschen, Altglas, Papier: was außerhalb des Systems bleibt
Nicht alles gehört in den Auszug. Pfandflaschen und Dosen sind seit 2025 Teil jedes Haushalts, und sie sind kein Müll – sie müssen unzerdrückt zum Automaten zurück. Dafür braucht es einen Platz, an dem sie stehen, nicht liegen: ein Fach im Hochschrank, ein Sockelauszug oder ein Korb in einem Unterschrank neben der Tür, der beim nächsten Einkauf mitgenommen wird. Wir planen dafür gern ein Fach mit 35 bis 40 cm Höhe, in dem eine Getränkekiste oder zwei Reihen Flaschen stehen.
Altglas gehört ebenfalls selten ins System, weil es schwer ist, laut und selten anfällt. Ein Behälter im Abfallauszug ist vertretbar, wenn er klein bleibt; besser ist ein Platz in der Speis oder im Abstellraum. Papier und Karton dagegen sind ein echtes Problem, weil Kartons sperrig sind: Der Behälter im Auszug nimmt Zeitungen und kleine Verpackungen, zerlegte Lieferkartons brauchen einen schmalen Hochschrank oder ein Fach neben dem Kühlschrank, in dem sie flach stehen.
In Schwechat war die Kiste mit Pfandflaschen der Punkt, an dem die Planung kippte: Es gab einen Hochschrank mit einem Fach, das nie richtig genutzt wurde. Es wurde zum Pfandfach mit einer Kiste auf Rollen, direkt neben der Tür zur Garage. Die Lösung ist unscheinbar, aber sie hat die Terrassentür freigeräumt.
Technik, die den Alltag leichter macht: Auszug, Tip-on, Fußöffnung
Ein Abfallsystem wird zwanzigmal am Tag geöffnet, öfter als jede andere Lade. Deshalb entscheidet die Mechanik über die Zufriedenheit. Der Auszug sollte ein Vollauszug mit Dämpfung sein, der auch bei vollen Behältern leicht läuft – 20 Liter Verpackung wiegen wenig, 8 Liter Bio und ein voller Papierbehälter schon einiges. Die Front ist mit dem Auszug verbunden, sodass man an der Front zieht und der ganze Inhalt vorkommt.
Für die vollen Hände gibt es drei Lösungen: Tip-on, bei dem man die Front mit dem Knie oder der Hüfte antippt; eine elektrische Öffnung, die auf Berührung ausfährt; oder ein Fußsensor im Sockel, der den Auszug öffnet, wenn man den Fuß darunter bewegt. In Familienküchen bauen wir den Fußsensor gern ein – er ist die Lösung, bei der die Front sauber bleibt, weil niemand mit Tomatenhänden daran greift.
Die Behälter selbst sollten sich einzeln herausheben lassen, ohne den Rahmen zu lösen, und oben einen Rand haben, über den sich ein Sack spannen lässt. Ein Deckel über allen Behältern, der sich beim Öffnen hebt, hält Gerüche im Schrank; wir fertigen ihn aus einem abwischbaren Material in Frontfarbe. Im Schauraum in Münchendorf und Wien steht das System bestückt, mit Säcken und Deckel – ziehen Sie es auf, bevor Sie sich entscheiden.
Aus der Werkstatt: die Terrassentür in Schwechat
Zurück nach Schwechat. Eine Woche Zählen ergab: etwa 60 Liter Verpackung in der Woche, 30 Liter Papier, 15 Liter Bio, 20 Liter Rest, dazu zwei Kisten Pfand und ein kleiner Sack Glas. Die Küche hatte einen 60er-Spülenschrank mit dem einen Eimer und daneben einen 60er mit zwei Böden voller Plastikschüsseln. Beides wurde neu gedacht: Der Spülenschrank bekam ein Maßsystem mit Raumsparsiphon – zwei Behälter mit je 18 Litern für Verpackung und Rest und einen 7-Liter-Bio mit Deckel, Lüftung im Sockel. Der Nachbarschrank wurde zum Papierschrank: ein Vollauszug mit einem 30-Liter-Behälter und seitlich einem Fach für flache Kartons.
Die Fronten blieben – die Küche war jung, die Korpusse in Ordnung. Neu sind der Auszug, die Behälter, der Siphon, ein Fußsensor im Sockel des Spülenschranks und das Pfandfach im Hochschrank mit einer Kiste auf Rollen. Der Umbau dauerte einen Tag, die Küche blieb dabei benutzbar; der Preis stand vor dem Auftrag fest, mit jeder Position einzeln.
Sechs Wochen später schickte die Familie ein Foto von der Terrassentür: ein Blumentopf, sonst nichts. Das ist das Ziel eines Abfallsystems – nicht die Mülltrennung an sich, die hat die Familie schon vorher gemacht, sondern dass sie dort stattfindet, wo der Abfall entsteht, und nirgendwo sonst.
Stehen bei Ihnen auch Säcke an der Tür, weil die Küche die Mülltrennung nie vorgesehen hat? Ein Foto Ihres offenen Spülenschranks und die Zahl der Personen im Haushalt reichen uns für eine erste Einschätzung – oft lässt sich das System in die bestehende Küche einbauen, und im Schauraum ziehen Sie es vorher auf. Kostenlos anfragen
Das Wichtigste in Kürze
- Mindestens vier Fraktionen plus Pfand: Das Abfallsystem muss am Entstehungsort trennen, sonst landen Säcke an der Tür.
- Erst zählen, dann planen: Volumen pro Woche und Weg zur Tonne bestimmen Behältergröße und Schrankbreite – 60 cm für zwei Personen, 90 cm oder zwei Schränke für Familien.
- Unter der Spüle nach Maß mit Raumsparsiphon oder als eigener Abfallschrank daneben – beides mit Vollauszug und Dämpfung.
- Biomüll klein und geschlossen halten: 5–8 Liter, Deckel, Lüftung im Schrank – oder ein Behälter in der Arbeitsplatte.
- Pfandflaschen, Kartons und Altglas brauchen eigene Plätze außerhalb des Auszugs: Pfandfach, Kartonfach, Speis.
Häufige Fragen
Wie viele Mülleimer braucht man in der Küche?
Drei bis vier im Auszug: Verpackungen, Papier, Restmüll und ein kleiner geschlossener Biobehälter. Pfandflaschen, Kartons und Altglas bekommen eigene Plätze außerhalb des Systems. Entscheidend ist, dass die großen Behälter die Fraktion mit dem meisten Volumen nehmen – meist die Verpackungen.
Wie groß muss das Abfallsystem für eine Familie sein?
Für vier Personen, die täglich kochen, reicht ein 60-cm-System mit 40 bis 55 Litern selten; sinnvoll ist ein 90-cm-Schrank mit bis zu 60 Litern oder die Aufteilung auf zwei Schränke – einer für Verpackung und Rest, einer für Papier. Eine Woche zählen zeigt den tatsächlichen Bedarf.
Passt ein Abfallsystem unter die Spüle?
Ja, wenn Siphon und Ventile dafür Platz machen. Nach Maß setzen wir einen flachen Raumsparsiphon nach hinten und die Ventile nach oben, sodass drei bis vier Behälter unter der Spüle Platz finden. Alternativ wird der Schrank daneben zum reinen Abfallschrank mit mehr Volumen.
Wie verhindert man Geruch beim Biomüll in der Küche?
Mit einem kleinen Behälter von 5 bis 8 Litern, der alle zwei bis drei Tage geleert wird, einem Deckel, der sich mit dem Auszug öffnet und schließt, einem Papierbeutel gegen Feuchtigkeit und einer Lüftungsöffnung im Schrank. Oder mit einem Behälter, der bündig in die Arbeitsplatte eingelassen ist.
Wo lagert man Pfandflaschen in der Küche?
Stehend und unzerdrückt, am besten in einem Fach mit 35 bis 40 cm Höhe im Hochschrank, in einem Sockelauszug oder in einer Kiste auf Rollen in einem Unterschrank nahe der Tür. Sie gehören nicht in den Abfallauszug, weil sie dort Platz für echten Abfall kosten.
Kann man ein Abfallsystem in eine bestehende Küche nachrüsten?
Meist ja, im Rahmen einer Revitalisierung: Der Spülenschrank bekommt Auszug, Behälter und Raumsparsiphon, ein Nachbarschrank wird umgebaut, der Fußsensor kommt in den Sockel. Ein Foto Ihres offenen Spülenschranks reicht für eine erste Einschätzung innerhalb von 24 Stunden.
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