Oberschränke: Höhe, Tiefe und Abstand zur Arbeitsplatte
Oberschränke planen: Nischenhöhe 50–60 cm, Tiefe 35–40 cm, Klappen statt Türen, bis zur Decke oder mit Abstand – Richtwerte und Ergonomie.
Planung & Ergonomie · Einbauküchen-Wissen · Stand 2026-11-05
Kurz gesagt: Oberschränke hängen in der Regel 50 bis 60 cm über der Arbeitsplatte, sind 35 bis 40 cm tief und so hoch, dass das oberste Fach noch ohne Leiter erreichbar ist – bei den meisten Menschen endet die bequeme Greifhöhe zwischen 1,90 und 2,10 m. Alles darüber ist Stauraum für Seltenes oder bleibt als Abstand zur Decke frei. Welche Werte für Sie stimmen, hängt von Körpergröße, Arbeitshöhe und davon ab, was in den Schränken liegen soll; wir in Münchendorf legen die drei Maße beim Vor-Ort-Termin gemeinsam fest und fertigen die Oberschränke nach Naturmaß bis an Wand und Decke.
Im Schauraum in Wien stehen zwei Menschen vor derselben Musterküche und sagen Gegenteiliges. Sie ist 1,62 m groß und erreicht das zweite Fach des Oberschranks nur mit gestrecktem Arm; er ist 1,88 m und stößt sich beim Vorbeugen über der Spüle fast an der Unterkante. Die Schränke hängen auf dem Standardmaß, das in den meisten Küchen hängt – und für keinen der beiden passt es. Dieser Moment ist ein guter Anfang für die Frage, wie hoch und wie tief Oberschränke sein sollen, weil er zeigt, dass es keine einzige richtige Antwort gibt, aber eine richtige Methode. Auf dieser Seite erklären wir, wie die drei Maße der Oberschränke zusammenhängen, welche Richtwerte sich bewährt haben, wann Klappen besser sind als Türen, ob die Schränke bis zur Decke gehen sollen und wie wir für das Paar im Schauraum eine Lösung gefunden haben, die beiden passt.
Drei Maße, die zusammengehören: Nischenhöhe, Tiefe, Schrankhöhe
Wer über Oberschränke spricht, meint meist deren Höhe, aber entscheidend sind drei Maße, die sich gegenseitig bedingen. Die Nischenhöhe ist der Abstand zwischen Arbeitsplatte und Unterkante des Schranks – sie bestimmt, wie frei man an der Platte arbeitet und was in der Nische stehen kann. Die Tiefe entscheidet, was hineinpasst und wie weit der Schrank über die Arbeitsfläche ragt. Die Schrankhöhe selbst ergibt, wo die Oberkante liegt und wie viele Fächer man tatsächlich erreicht.
Die drei Werte sind verkettet: Wer die Nische höher setzt, um bequem zu arbeiten, schiebt die Schränke nach oben und verliert erreichbare Fächer. Wer den Schrank tiefer macht, um mehr unterzubringen, nimmt der Nische Licht und Kopffreiheit. Deshalb planen wir sie nie einzeln, sondern vom Körper aus: Ellbogenhöhe gibt die Arbeitsplatte vor, Augenhöhe und Armlänge geben Nische und Oberkante vor, und die Tiefe folgt dem Inhalt.
Im Schauraum fragen wir deshalb nicht nach Wunschmaßen, sondern lassen die Hand ausstrecken und über die Platte beugen. Er wollte mehr Nische, sie eine tiefere Oberkante – zwei Forderungen, die sich auf den ersten Blick widersprechen.
Wie hoch über der Arbeitsplatte: die Nischenhöhe
Als Richtwert gelten 50 bis 60 cm zwischen Plattenoberkante und Schrankunterkante. Unter 50 cm wird es eng: Man stößt beim Arbeiten an der Spüle mit der Stirn an, die Kaffeemaschine passt nicht mehr unter den Schrank, und die Platte liegt im Schatten. Über 65 cm beginnt der Oberschrank optisch zu schweben, und das unterste Fach rückt für kleinere Menschen in die Streckhöhe. Für Körpergrößen um 1,65 m haben sich 50 bis 55 cm bewährt, für Menschen über 1,80 m eher 55 bis 60 cm.
Die Nische hängt von der Arbeitshöhe ab, nicht vom Boden. Wenn die Arbeitsplatte wegen einer großen Person auf 95 cm liegt, rückt mit gleicher Nischenhöhe auch die Schrankunterkante nach oben – auf 1,50 m, was für einen kleineren Partner das Fach über der Spüle schwer erreichbar macht. Deshalb bestimmen wir beide Maße in einem Schritt, nicht nacheinander.
Über dem Kochfeld gilt eine Ausnahme: Dort gibt der Hersteller des Dunstabzugs den Mindestabstand vor, bei den meisten Hauben über Induktion rund 65 cm, über Gas mehr. Ein Oberschrank neben der Haube darf tiefer hängen als die Haube selbst – wir stimmen beides in der Planung aufeinander ab, damit die Unterkanten nicht springen.
Welche Tiefe: 35 oder 40 cm – und wann mehr
Serienküchen haben Oberschränke mit 35 cm Tiefe, manche mit 32. Das reicht für Teller mit 27 cm Durchmesser und für Gläser, lässt aber große Servierplatten und Pfannen auf die Kante stehen. Wir fertigen meist 38 bis 40 cm – die paar Zentimeter machen aus einem Oberschrank, der gerade so genügt, einen, in dem auch der große Teller zweireihig Platz hat. Mehr als 40 cm empfehlen wir über der Arbeitsplatte nicht, weil der Schrank dann über die Hälfte der 60 cm tiefen Platte ragt und beim Arbeiten im Weg ist.
Eine Ausnahme ist der Oberschrank, der nicht über der Arbeitsplatte hängt: über einer Sitzbank, einem Esstisch oder in einer Zeile ohne Unterschränke. Dort sind 45 oder 50 cm möglich und bringen spürbar mehr Volumen, etwa für Vorräte oder Küchenmaschinen. Und wer die Oberschränke bis zur Decke zieht, nutzt oben oft eine größere Tiefe als unten – die Schränke springen dann in der Ansicht einmal vor, was ein gestalterisches Element sein kann.
Im Schauraum zeigen wir beide Tiefen nebeneinander, mit Tellern und Gläsern bestückt – der Unterschied ist größer, als 5 cm vermuten lassen.
- Nischenhöhe: 50–60 cm, bei kleinen Personen eher 50–55, bei großen 55–60 cm
- Tiefe über der Arbeitsplatte: 38–40 cm nach Maß, maximal 40 cm
- Tiefe ohne Arbeitsplatte darunter: bis 45–50 cm möglich
- Oberkante des bequem erreichbaren Fachs: etwa Körpergröße plus 30–35 cm
Wie hoch darf der Oberschrank sein: die Greifhöhe
Die Frage nach der Schrankhöhe ist in Wahrheit die Frage, wie weit man hinaufgreift. Eine brauchbare Faustregel: Das höchste Fach, aus dem man täglich etwas nimmt, liegt bei der eigenen Körpergröße plus rund 30 bis 35 cm. Für 1,62 m heißt das etwa 1,95 m, für 1,88 m rund 2,20 m. Alles darüber ist Platz für die Punschschalen und die Backformen, die man an Weihnachten herunterholt – und das ist in Ordnung, solange man es weiß.
Daraus folgt die Schrankhöhe: Nischenhöhe plus Schrankhöhe plus Arbeitsplattenhöhe ergibt die Oberkante. Bei 90 cm Platte und 55 cm Nische beginnt der Schrank bei 1,45 m; ein 70 cm hoher Schrank endet bei 2,15 m, ein 90 cm hoher bei 2,35 m. Mit 1,62 m sind die oberen 30 cm des 90-cm-Schranks Lagerfläche, nicht Alltagsfläche. Für die zwei im Schauraum bedeutete das: Die Unterkante musste tief genug für sie bleiben, die Oberkante durfte hoch genug für ihn sein.
Genau das ist die Auflösung des scheinbaren Widerspruchs. Oberschränke nach Maß müssen nicht alle gleich hoch sein. Über der Spüle hängt ein niedriger Schrank mit 60 cm Nische, damit er sich nicht stößt; daneben ein hoher Schrank, dessen unterstes Fach auf 1,45 m beginnt, damit sie bequem hineingreift. Die Oberkante läuft trotzdem durch – die Schränke sind unterschiedlich hoch, nicht unterschiedlich angehängt.
Klappen, Falttüren oder Drehtüren: wie der Oberschrank aufgeht
Bei niedrigen Oberschränken bis etwa 40 cm Höhe ist die Klappe nach oben die bequemste Lösung: Sie schwingt aus dem Weg, man steht nicht vor einer offenen Tür, und mit Lift-Beschlag bleibt sie in jeder Position stehen. Bei Schränken ab 60 cm Höhe wird die Klappe als Ganzes zu groß – dann teilt eine Faltklappe die Front in zwei Teile, die sich nach oben zusammenlegen, oder die Front schwenkt parallel nach oben. Für Menschen unter 1,65 m ist wichtig, dass die geöffnete Klappe wieder erreichbar bleibt; ein Griff oder eine Leiste an der Unterkante hilft, sonst ist der Bügel zum Herunterziehen die richtige Lösung.
Drehtüren sind in der Breite begrenzt: Ab 60 cm Türbreite schlägt eine offene Tür weit in den Raum und steht an der Zeile im Weg, deshalb werden breite Schränke zweitürig. Dafür sind Drehtüren leiser, günstiger im Beschlag und bei hohen Schränken bis zur Decke die einzige vernünftige Form. In Küchen mit Fenster neben der Zeile achten wir darauf, in welche Richtung die Tür aufgeht – gegen den Fensterflügel ist ein typischer Planungsfehler.
Grifflos ist bei Oberschränken einfach: Eine Griffleiste an der Unterkante oder Tip-on genügen. Im Schauraum probieren wir alle Varianten mit Ihnen aus – mit einem Teller in der anderen Hand, denn so wird die Küche benutzt.
Bis zur Decke oder mit Abstand?
Zwischen Schrankoberkante und Decke bleibt in Serienküchen eine Zone von 20 bis 40 cm, in der sich Staub und Fett sammeln und die mit einer Blende kaschiert wird. Nach Maß gibt es diese Zone nicht zwingend: Die Schränke laufen bis zur Decke, mit einer Passleiste, die dem Deckenverlauf folgt. Das bringt oben Lagerfläche, wirkt ruhiger und erspart das Putzen der Schrankoberseiten.
Aber bis zur Decke ist nicht immer richtig. In Altbauräumen mit 3,20 m Höhe werden Oberschränke bis zur Decke zu einer Wand, die den Raum drückt; dort enden sie besser auf Türhöhe oder werden durch eine Hochschrankwand ersetzt. Bei niedrigen Decken unter 2,40 m dagegen ist der Anschluss an die Decke fast immer die bessere Wahl, weil die kurze Blende darüber unruhig wirkt. Und wer gern Dinge auf die Schränke stellt – Körbe, Kochbücher, eine Pflanze –, braucht den Abstand bewusst.
Oft ist die Antwort eine Mischung: Hochschränke bis zur Decke an einer Wand, niedrige Oberschränke mit viel Nische an der anderen – beides nach Naturmaß, mit Passleisten, die man nicht sieht.
Aus der Werkstatt: eine Küche für 1,62 und 1,88 Meter
Zurück zu dem Paar im Schauraum. Nach dem Vor-Ort-Termin in ihrer Wohnung in Wien-Hietzing stand die Küche als L-Form fest: Spülzeile unter dem Fenster, Kochzeile an der Wand. Die Arbeitshöhe legten wir auf 92 cm – ein Kompromiss, der ihr durch eine dickere Fußmatte am Spülplatz und ihm durch das tiefer gesetzte Kochfeld entgegenkommt. Die Oberschränke an der Kochzeile bekamen 55 cm Nische und 40 cm Tiefe; ihr unterstes Fach liegt auf 1,47 m, das zweite auf 1,80 m – beide für sie bequem, das dritte auf 2,13 m für ihn und für Selteneres.
Über der Spüle hängt nichts. Dort lief die Fensterfront, und statt eines Schranks setzten wir ein 20 cm tiefes Bord auf 1,55 m für die täglichen Gläser – erreichbar für beide, ohne dass er sich beim Abwaschen anstößt. Die Oberschränke an der Kochzeile laufen bis zur Decke bei 2,62 m; die oberen Fächer hinter Drehtüren nehmen Backformen und Vorräte auf, die unteren Fächer öffnen als Faltklappen mit Bügel.
Die Fronten in Fenix supermatt, die Rückwand in der Nische aus Dekton im Dekor der Arbeitsplatte, Licht unter der Schrankunterkante. Fertigung fünf Wochen in Münchendorf, Montage zwei Tage. Bei der Übergabe griff sie ins zweite Fach und er beugte sich über die Spüle – beide, ohne etwas zu sagen. Das ist bei Oberschränken der Beweis, dass die Maße stimmen.
So gehen wir bei jeder Küche vor: Beim Vor-Ort-Termin messen wir Raum und Reichweite, im Schauraum prüfen wir die Höhen am Musterschrank, und im Angebot steht jeder Oberschrank mit Breite, Höhe, Tiefe und Öffnungsart als eigene Position – zum Preis, der vor dem Auftrag feststeht. Wenn Sie heute nur wissen, dass Ihre Schränke falsch hängen, reichen ein Foto der Zeile und Ihre Körpergröße für eine erste Einschätzung.
Hängen Ihre Oberschränke zu hoch, zu tief oder für eine Person von beiden falsch? Ein Foto der Zeile und Ihre Körpergröße reichen für eine erste Einschätzung. Beim Vor-Ort-Termin legen wir Nische, Tiefe und Oberkante gemeinsam fest – und im Schauraum greifen Sie ins Fach, bevor etwas gefertigt wird. Kostenlos anfragen
Das Wichtigste in Kürze
- Oberschränke haben drei verkettete Maße: Nischenhöhe 50–60 cm, Tiefe 38–40 cm, Oberkante nach Greifhöhe – geplant vom Körper aus, nicht vom Katalog.
- Das bequem erreichbare oberste Fach liegt etwa bei Körpergröße plus 30–35 cm; alles darüber ist Lagerfläche für Seltenes.
- Nach Maß dürfen Oberschränke unterschiedlich hoch sein – so passen sie zwei Körpergrößen, ohne dass die Oberkante springt.
- Klappen für niedrige, Faltklappen für mittlere, Drehtüren für hohe Schränke – im Schauraum mit vollen Händen ausprobieren.
- Bis zur Decke bei niedrigen Räumen und viel Stauraumbedarf; bei hohen Altbauräumen enden Oberschränke besser auf Türhöhe.
Häufige Fragen
Wie hoch sollen Oberschränke über der Arbeitsplatte hängen?
Als Richtwert 50 bis 60 cm zwischen Plattenoberkante und Schrankunterkante. Kleinere Personen kommen mit 50 bis 55 cm gut zurecht, größere brauchen 55 bis 60 cm, damit sie sich beim Arbeiten nicht anstoßen. Über dem Kochfeld gibt der Dunstabzug den Mindestabstand vor.
Wie tief sollte ein Oberschrank in der Küche sein?
Über der Arbeitsplatte 35 bis 40 cm; wir fertigen meist 38 bis 40 cm, damit große Teller zweireihig stehen. Tiefer als 40 cm sollte der Schrank über der Platte nicht sein. Ohne Unterschrank darunter – etwa über einer Sitzbank – sind 45 bis 50 cm möglich.
Wie hoch darf ein Oberschrank maximal sein?
So hoch, wie die Decke erlaubt – entscheidend ist, welche Fächer man erreicht. Das höchste täglich genutzte Fach liegt etwa bei Körpergröße plus 30 bis 35 cm. Fächer darüber sind Lagerfläche für Seltenes; bis zur Decke geplant, sparen sie das Putzen der Schrankoberseite.
Oberschränke mit Klappe oder Tür – was ist besser?
Klappen nach oben sind bei Schränken bis etwa 40 cm Höhe am bequemsten, Faltklappen bei 60 bis 80 cm. Drehtüren eignen sich für hohe Schränke bis zur Decke und breite Schränke als zweitürige Lösung. Wichtig für kleinere Personen: Die offene Klappe muss wieder erreichbar sein.
Wie plant man Oberschränke für zwei unterschiedlich große Personen?
Mit unterschiedlich hohen Schränken bei gleicher Oberkante: Dort, wo die größere Person arbeitet, hängt ein niedrigerer Schrank mit mehr Nische; daneben ein höherer, dessen unterstes Fach für die kleinere Person erreichbar ist. Nach Maß ist das ohne Mehraufwand möglich.
Wie finde ich die richtigen Oberschrank-Maße für meine Küche?
Schicken Sie uns ein Foto Ihrer jetzigen Zeile und Ihre Körpergröße – wir sagen innerhalb von 24 Stunden, was sich ändern sollte. Beim Vor-Ort-Termin messen wir Raum und Reichweite, im Schauraum prüfen wir die Höhen am Musterschrank, und das Angebot steht als Fixpreis vor dem Auftrag.
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