Dunstabzug: Umluft oder Abluft?

Umluft vs. Abluft: Filter, Feuchtigkeit, Mauerkasten, Energie, Altbau und Passivhaus, Lautstärke – die Entscheidung mit allen Folgen.

Geräte & Technik · Einbauküchen-Wissen · Stand 2026-11-05

Kurz gesagt: Abluft ist die wirksamere Lösung, weil sie Gerüche, Fett und vor allem Feuchtigkeit nach draußen bringt – sie braucht aber eine Außenwand in erreichbarer Nähe, einen dichten Mauerkasten und verträgt sich schlecht mit Lüftungsanlagen und Kaminöfen. Umluft kommt ohne Durchbruch aus, bindet Gerüche über Aktivkohle und lässt Feuchtigkeit im Raum, die gelüftet werden muss. Welche Variante besser ist, entscheidet deshalb das Haus, nicht der Katalog: Wir in Münchendorf prüfen beim Vor-Ort-Termin den Weg nach draußen, bevor wir den Abzug zeichnen.

In einem Passivhaus in Tulln standen wir mit dem Ehepaar vor der Außenwand der künftigen Küche, und der Mann klopfte an die Stelle, an der er sich den Mauerkasten vorstellte. Das Haus hatte eine kontrollierte Wohnraumlüftung, dreifach verglaste Fenster und eine Hülle, die auf Dichtheit gebaut war – und der Wunsch nach Abluft, weil „Umluft nichts bringt“, war aus der alten Wohnung mitgekommen. Dasselbe Gespräch führen wir in Wiener Altbauwohnungen, nur umgekehrt: Dort wäre Abluft willkommen, aber die Küche liegt an der Innenwand und die Hausverwaltung hat zum Fassadendurchbruch eine klare Meinung. Die Frage Umluft oder Abluft hat deshalb keine allgemeine Antwort, sondern eine pro Gebäude. Diese Seite geht die Entscheidung mit allen Folgen durch – Wirkung, Energie, Feuchtigkeit, Filter, Lautstärke, Genehmigungen – und zeigt am Haus in Tulln, wie sie am Ende ausging.

Was Umluft und Abluft im Alltag wirklich unterscheidet

Beide Systeme saugen den Kochdunst durch einen Metallfilter, der das Fett zurückhält. Danach trennen sich die Wege: Die Abluft schiebt die gefilterte Luft durch ein Rohr und einen Mauerkasten ins Freie, die Umluft führt sie zusätzlich durch Aktivkohle und gibt sie in die Küche zurück. Der Unterschied, den man im Alltag spürt, ist nicht das Fett – das fangen beide – sondern Feuchtigkeit und Geruch. Dampf vom Nudelwasser verlässt bei Abluft das Haus; bei Umluft bleibt er im Raum, auch wenn die Haube auf höchster Stufe läuft.

Das merkt man an beschlagenen Fenstern im Winter, an einem Küchenfenster, das nach dem Kochen geöffnet werden muss, und an Gerüchen, die sich trotz Filter in Vorhängen und Polstern festsetzen. Gute Aktivkohle bindet viel, aber nicht alles – gebratener Fisch und scharfes Anbraten sind die bekannten Grenzfälle. Abluft dagegen ist nur so gut wie ihr Weg nach draußen: Ein langes Rohr mit vielen Bögen verliert Leistung und wird laut.

Die Entscheidung sollte deshalb nicht an der Haube hängen, sondern am Gebäude: Nicht „welches System ist besser“, sondern „welches System lässt sich in diesem Raum gut ausführen“.

Abluft: die Rechnung mit der warmen Luft

Was bei Abluft gerne vergessen wird: Jeder Kubikmeter Luft, der nach draußen geblasen wird, muss von irgendwo nachströmen – im Winter als kalte Außenluft durch Fensterfalze, Türritzen oder ein gekipptes Fenster. Eine Haube, die in der Intensivstufe mehrere Hundert Kubikmeter pro Stunde fördert, tauscht in einer halben Stunde Kochen die gesamte Raumluft einer Wohnküche mehrfach aus. Die geheizte Luft ist weg, die kalte kommt nach. In einem schlecht gedämmten Altbau fällt das kaum auf, in einem dichten Neubau sehr wohl.

Dazu kommt der Mauerkasten als dauerhafte Öffnung in der Fassade. Einfache Modelle mit Lamellen klappern bei Wind und lassen rund um die Uhr Kälte herein. Gedämmte Mauerkästen mit motorisch oder durch Luftdruck geschlossener Klappe lösen das weitgehend, kosten aber mehr und brauchen eine saubere Montage. Wer Abluft will, sollte diesen Punkt nicht dem Zufall überlassen – der Mauerkasten entscheidet über Zugluft in der Küche für die nächsten zwanzig Jahre.

In der Praxis heißt das für uns: Abluft ja, wenn die Außenwand nahe ist, das Rohr kurz und möglichst gerade läuft und ein hochwertiger Mauerkasten eingeplant wird. Beim Vor-Ort-Termin messen wir die Strecke und zählen die Bögen, bevor wir das Gerät empfehlen.

Umluft: wie gut sind die Filter heute wirklich?

Umluft hat in den letzten Jahren aufgeholt. Die klassischen Aktivkohlematten, die alle paar Monate getauscht werden mussten, sind in besseren Geräten durch Langzeitfilter ersetzt, die sich im Backofen regenerieren lassen und mehrere Jahre halten. Manche Hersteller setzen zusätzlich auf Filter mit größerer Kohlemenge oder auf Systeme, die Geruchsmoleküle anders aufspalten. Die Wirkung auf Gerüche ist damit deutlich besser als vor zehn Jahren – aber Feuchtigkeit bleibt immer im Raum, daran ändert kein Filter etwas.

Zwei Dinge entscheiden, ob Umluft zufriedenstellend arbeitet. Erstens die Pflege: Fett, das den Metallfilter passiert, setzt die Aktivkohle zu und verkürzt ihre Lebensdauer; wer die Metallfilter regelmäßig in den Geschirrspüler gibt, verlängert die Standzeit der Kohle erheblich. Zweitens der Luftaustritt: Die gereinigte Luft muss irgendwo zurück in den Raum, bei Wandhauben meist oben über dem Oberschrank, bei Deckenlüftern durch Schlitze in der Deckenbox, beim Kochfeldabzug durch den Sockel. Ist dieser Weg eng, wird die Haube laut.

Wir planen bei Umluft den Austritt deshalb als Teil des Korpus: einen Umluftkanal im Oberschrank mit ausreichend Querschnitt, ein Sockelgitter, das nicht pfeift, Filter, die man ohne Werkzeug erreicht. Dann ist Umluft eine saubere Lösung – vorausgesetzt, man lüftet nach dem Kochen kurz durch.

Altbau in Wien: wann Abluft gar nicht erst infrage kommt

In Wiener Gründerzeithäusern liegt die Küche häufig an einer Innenwand oder zum Lichthof. Ein Abluftrohr müsste dann quer durch Vorzimmer oder Bad zur Fassade, meist unter der Decke in einer Verkleidung – ein Aufwand, der die Küche verteuert und die Raumhöhe im Gang kostet. Und selbst an der Außenwand ist der Durchbruch nicht selbstverständlich: Die Fassade gehört dem Haus, nicht der Wohnung. Hausverwaltung oder Eigentümergemeinschaft müssen zustimmen, bei denkmalgeschützten Fassaden kommt die Behörde dazu.

Es gibt Fälle, in denen ein alter Mauerdurchbruch existiert – vom Vorgänger, vom früheren Gasdurchlauferhitzer oder von einer alten Lüftung. Den prüfen wir beim Vor-Ort-Termin auf Querschnitt und Zustand; oft ist er nutzbar, manchmal zu klein. Fehlt er, raten wir im Altbau meist zu hochwertiger Umluft statt zu einem Rohr, das durch drei Räume läuft.

Die gute Nachricht: Altbauküchen haben hohe Räume und große Fenster. Feuchtigkeit, die bei Umluft im Raum bleibt, verteilt sich auf mehr Luftvolumen und ist nach kurzem Stoßlüften weg. Wichtig ist nur, dass der Abzug stark genug und richtig positioniert ist – gerade bei 3,50 m Raumhöhe, wo eine Haube über der Insel schnell zu hoch hängt.

Neubau, Passivhaus und Lüftungsanlage: Abluft gegen das System

Zurück nach Tulln. Ein Haus mit kontrollierter Wohnraumlüftung ist auf eine ausgeglichene Luftbilanz gebaut: Was die Anlage absaugt, führt sie als vorgewärmte Frischluft wieder zu. Eine Abluft-Haube mit mehreren Hundert Kubikmetern pro Stunde reißt in dieses Gleichgewicht ein Loch – sie erzeugt Unterdruck, der die Lüftungsanlage aus dem Takt bringt und kalte Luft durch jede verbliebene Fuge zieht. Die meisten Planer von Lüftungsanlagen lehnen Abluft-Hauben deshalb ab oder verlangen eine Zuluftöffnung, die sich mit der Haube öffnet.

Noch strenger ist es bei raumluftabhängigen Feuerstätten. Ein Kachelofen oder Kaminofen, der seine Verbrennungsluft aus dem Raum holt, kann bei laufender Abluft-Haube Rauchgase in den Raum ziehen. Das ist keine Theorie, sondern ein bekanntes Sicherheitsproblem; zulässig ist Abluft dann nur mit einer Sicherheitseinrichtung wie einem Fensterkontaktschalter, der die Haube nur bei geöffnetem Fenster freigibt. Der Rauchfangkehrer hat hier das letzte Wort, und wir beziehen ihn beim Vor-Ort-Termin ein.

Für das Paar in Tulln war die Antwort damit eigentlich klar, auch wenn sie ihnen zunächst nicht gefiel: Abluft hätte die Lüftungsanlage gestört und die Hülle durchlöchert. Die Frage war also nicht mehr „ob Umluft“, sondern „welche Umluft“.

Aus der Werkstatt: wie das Haus in Tulln zur guten Umluft kam

Die Küche in Tulln war eine offene Wohnküche mit Insel, Kochfeld in der Insel, Esstisch und Sofa im selben Raum. Die Sorge der beiden war verständlich: Umluft in der offenen Küche, und das Sofa riecht nach Zwiebeln. Wir sind die Sache von zwei Seiten angegangen. Erstens über die Technik – ein Kochfeldabzug in der Insel, der den Dampf dort erfasst, wo er entsteht, mit einem großen regenerierbaren Aktivkohlefilter im Unterschrank und einem Luftaustritt über den Sockel, den wir mit breitem Querschnitt gefertigt haben, damit nichts pfeift.

Zweitens über das Haus selbst: Die Lüftungsanlage hat eine Kochstufe, bei der sie für eine halbe Stunde die Absaugung in der Küche erhöht. Diese Stufe haben wir mit dem Lüftungsplaner so abgestimmt, dass sie an den Lichtschalter neben der Insel gekoppelt ist. Die Feuchtigkeit, die der Umluftabzug im Raum lässt, holt damit die Anlage – vorgewärmt und ohne offenes Fenster.

Nach einem Jahr haben wir nachgefragt. Das Fazit der beiden: Beim Fischbraten wird noch kurz gelüftet, sonst ist von der Küche am Sofa nichts zu riechen. Die Insel aus Dekton und Eiche ist seit der Montage unverändert, die Filter werden zweimal im Jahr im Backofen regeneriert. Die Entscheidung gegen Abluft hat ihnen Zugluft und einen Fassadendurchbruch erspart.

Umschaltbar, Hybrid, externer Motor: die Zwischenlösungen

Nicht jeder Fall ist so eindeutig wie Tulln. Für Häuser ohne Lüftungsanlage, aber mit Sorge um die Heizkosten gibt es Hauben, die sich zwischen Abluft und Umluft umschalten lassen: im Sommer Abluft nach draußen, im Winter Umluft mit Filter, damit die warme Luft im Haus bleibt. Die Umschaltung erfolgt über eine Klappe im Kanal, manuell oder motorisch. Das ist technisch sauber, verlangt aber beides – Mauerkasten und Filter – und wird im Alltag nur genutzt, wenn der Schalter gut erreichbar ist.

Eine andere Zwischenlösung betrifft die Lautstärke: Bei Abluft kann der Motor aus der Küche verschwinden und am Ende des Kanals an der Außenwand oder am Dachboden sitzen. Dann hört man in der Küche nur die strömende Luft. Für Umluft gibt es dieses Konzept nur eingeschränkt, weil die Luft ja zurück in den Raum muss; dort hilft eher ein großer Filterquerschnitt und ein langsam laufender Motor.

Welche Zwischenlösung sinnvoll ist, hängt davon ab, wie oft und wie intensiv gekocht wird. Wer dreimal am Tag kocht und oft anbrät, nutzt Abluft deutlich stärker aus als jemand, der abends Nudeln aufsetzt. Das fragen wir beim Erstgespräch, weil es die Technik bestimmt.

Umluft oder Abluft: so treffen wir die Entscheidung mit Ihnen

Die Entscheidung fällt bei uns beim Vor-Ort-Termin, nicht im Katalog. Ein Tischlermeister geht die Punkte in einer festen Reihenfolge durch, und am Ende steht in der Regel eine klare Empfehlung – oder zwei Varianten, die wir im Angebot getrennt ausweisen. Was Sie dazu brauchen, ist wenig: ein Foto der Küche, ein Hinweis, wo die Außenwand liegt und ob es Kamin oder Lüftungsanlage gibt. Damit geben wir innerhalb von 24 Stunden eine erste Einschätzung.

Im Schauraum hören Sie dann beide Systeme: eine Haube im Umluftbetrieb mit Filter und eine im Abluftbetrieb an einem kurzen Rohr. Der Unterschied im Geräusch ist deutlich, und er hilft bei der Entscheidung mehr als jede dB-Angabe. Gerät, Kanal, Mauerkasten oder Filterpaket stehen anschließend als eigene Positionen im Angebot, der Preis ist fix, bevor Sie beauftragen – und unser eigenes Montageteam setzt die Lösung samt Anschluss um.

Unsicher, ob Ihr Haus Abluft überhaupt zulässt? Ein Foto der Küche und zwei Angaben – wo die Außenwand liegt und ob es Kamin oder Lüftungsanlage gibt – reichen uns für eine ehrliche Einschätzung innerhalb von 24 Stunden. Beim Vor-Ort-Termin hört und sieht ein Tischlermeister sich das Haus an, bevor wir den Abzug zeichnen. Kostenlos anfragen

Das Wichtigste in Kürze

  1. Abluft entfernt Feuchtigkeit und Geruch vollständig, braucht aber kurze Wege, einen gedämmten Mauerkasten und kostet im Winter geheizte Luft.
  2. Umluft kommt ohne Durchbruch aus und bindet Gerüche über regenerierbare Aktivkohle – Feuchtigkeit bleibt im Raum und muss gelüftet werden.
  3. Bei Lüftungsanlagen und raumluftabhängigen Feuerstätten ist Abluft meist ausgeschlossen oder nur mit Sicherheitseinrichtung erlaubt.
  4. Im Wiener Altbau entscheiden Innenwand, Hausverwaltung und Denkmalschutz oft für Umluft.
  5. Die Entscheidung hängt am Gebäude: Außenwand, Rohrweg, Anlagen und Kochgewohnheiten werden beim Vor-Ort-Termin geprüft.

Häufige Fragen

Ist Umluft oder Abluft besser für die Küche?

Abluft ist wirksamer, weil Feuchtigkeit und Geruch das Haus verlassen. Umluft ist besser, wenn kein kurzer Weg zur Außenwand besteht, eine Lüftungsanlage oder ein Kaminofen im Spiel ist oder ein Fassadendurchbruch nicht genehmigt wird. Die richtige Antwort hängt am Gebäude, nicht am Gerät.

Darf ich bei einer Wohnraumlüftung eine Abluft-Haube einbauen?

In der Regel nicht ohne Zuluftlösung: Die Haube erzeugt Unterdruck und stört die Bilanz der Anlage. Die meisten Lüftungsplaner empfehlen Umluft und nutzen eine Kochstufe der Anlage für die Feuchtigkeit. Wir stimmen das mit dem Planer ab.

Wie oft muss man den Aktivkohlefilter bei Umluft wechseln?

Einfache Aktivkohlematten je nach Kochhäufigkeit etwa alle drei bis sechs Monate. Regenerierbare Langzeitfilter werden mehrmals im Jahr im Backofen aufgefrischt und halten mehrere Jahre. Regelmäßig gereinigte Metallfilter verlängern die Lebensdauer der Kohle deutlich.

Verliert man bei Abluft viel Heizenergie?

Beim Kochen wird geheizte Raumluft nach draußen gefördert und kalte Luft strömt nach – in dichten Neubauten spürbar, im Altbau weniger. Ein gedämmter Mauerkasten mit dichter Klappe verhindert zumindest, dass auch außerhalb des Kochens Kälte hereinkommt.

Kann ich im Altbau in Wien einen Mauerdurchbruch für die Abluft machen?

Nur mit Zustimmung von Hausverwaltung oder Eigentümergemeinschaft, bei geschützten Fassaden zusätzlich der Behörde. Liegt die Küche an einer Innenwand, wird der Rohrweg zudem lang. Ein vorhandener alter Durchbruch ist oft nutzbar – wir prüfen ihn beim Vor-Ort-Termin.

Gibt es Hauben, die beides können?

Ja, umschaltbare Hauben mit einer Klappe im Kanal: Abluft im Sommer, Umluft im Winter. Sie brauchen Mauerkasten und Filter zugleich und sind sinnvoll, wenn der Schalter gut erreichbar ist und tatsächlich genutzt wird.

Was brauche ich für eine erste Einschätzung, ob Abluft bei mir möglich ist?

Ein Foto der Küche, einen Hinweis auf die Außenwand und ob es Kamin, Gastherme oder Lüftungsanlage gibt. Damit antworten wir innerhalb von 24 Stunden; beim kostenlosen Vor-Ort-Termin messen wir den Weg und legen die Variante fest – mit Fixpreis vor Auftrag.

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